Streck setzt auf Wasserstoff

Streck Transport setzt in der Schweiz auf Wasserstoff als alternativen Kraftstoff für seine großen Lkw und ist dem Förderverein H2 Mobilität Schweiz beigetreten.

„Wir sehen im Wasserstoff einen alternativen Antrieb, der für uns praktisch und ökonomisch in die Zukunft weist“, sagt Roman Maier, Abteilungsleiter Fuhrpark im Schweizerischen Möhlin. Durch ihre hohe Nutzlast und Reichweite von rund 500 Kilometern pro Tankfüllung seien Brennstoffzellen-Lkw auch unter den anspruchsvollen geografischen Bedingungen in der Schweiz optimal einzusetzen und unterschieden sich in der Alltagspraxis nur unwesentlich von einem herkömmlichen Anhängerzug bis 34 Tonnen. So dauere beispielsweise das Tanken nicht länger als beim Diesel und sei mit einem Elektro-Lkw und seinem großen und schweren Batteriesystem überhaupt nicht zu vergleichen.

Aktuell sei kein anderes Antriebskonzept auszumachen, das das Potential habe, den klassischen Verbrenner auf längeren Strecken abzulösen, unterstreicht auch Streck Deutschland-Geschäftsführer Gerald Penner. „Dass wir die Autobahnen flächendeckend mit Oberleitungen ausstatten, kann ich mir einfach nicht vorstellen.“ Kleinere batterieelektrische Fahrzeuge würden aber im Stadtverkehr auf kurzen Distanzen zunehmend eine Rolle spielen. So setzt Streck in Freiburg beispielsweise einen FUSO Canter Eco Hybrid ein, denn der 7,5-Tonner ist innerstädtisch emissionsarm und leise unterwegs.

Durch seine Mitgliedschaft im Förderverein H2 Mobilität Schweiz ist Streck Transport jetzt Teil eines von der Privatwirtschaft groß angelegten Wasserstoffprojekts in der Schweiz. Partner sind dabei nicht nur Speditionen, sondern auch große Detailhändler sowie Tankstellenbetreiber, die sich mit dem koreanischen Nutzfahrzeughersteller Hyundai zusammengetan haben. Europäische Autobauer hatten sich nicht in der Lage gesehen, auf die Wünsche ihrer potentiellen Kunden einzugehen. Dabei hatte eines der Gründungsmitglieder des Fördervereins mit einem selbst entwickelten Wasserstoff-Lkw in einer zweijährigen Testphase bereits gezeigt, dass das Konzept der Realität standhält.

Bis 2023 will der Förderverein ein flächendeckendes Netz mit Wasserstofftankstellen in der Schweiz bauen, dann soll hier mit 1.000 Einheiten auch die weltweit größte Flotte aus H2-Lkw unterwegs sein. Schließlich repräsentieren die im Verband vertretenen Energieversorger mehr als 2.000 Tankstellen, die Transportunternehmen über 5.000 Lkw. Der erste Hyundai Xcient Wasserstoff-Elektro Lkw ist seit März bereits in der Schweiz, insgesamt sollen dieses Jahr 49 weitere folgen.

Besserer Antrieb zum gleichen Preis

Geplant ist dabei, dass die eigens in der Schweiz gegründete Firma Hyundai Hydrogen Mobility AG interessierten Verbandsmitgliedern die Lkw gegen eine Nutzungsgebühr pro gefahrenem Kilometer zur Verfügung stellt (Pay per Use). Das Ganze soll nicht mehr kosten als derzeit der Betrieb eines Diesels, was auch durch eine Befreiung von LSVA und Mineralölsteuer staatlicherseits erleichtert wird. Jeder Wasserstoff-Lkw hilft dann, jährlich etwa 70 bis 80 Tonnen CO2 einzusparen, sagt der Präsident von H2 Mobilität Schweiz, Jörg Ackermann.

Die angestrebte CO2-Neutralität im Schwerverkehr ist in der Schweiz leichter umzusetzen als anderswo. Der Anteil Erneuerbarer am Energiemix ist bereits hoch, und für die Lkw soll lokaler grüner Wasserstoff insbesondere aus überschüssiger Energie eingesetzt werden. „Der Wasserstoff soll dann produziert werden, wenn die Wasserkraftwerke aufgrund von Überlast normalerweise ihre Stromproduktion herunterfahren“, erläutert Roman Maier.

Bislang wurde die einzige öffentliche Wasserstofftankstelle in Hunzenschwil, die von Coop betrieben wird, mit solchem Wasserstoff versorgt. Die nächste H2 Tankstelle wird demnächst in St. Gallen eröffnet, vier weitere Standorte sollen noch 2020 dazukommen. Die Eröffnung einer Tankstelle in Frenkendorf (Basel-Landschaft) befindet sich in Planung, was für den Streck-Standort Möhlin sehr interessant ist. Die Vergabe der verfügbaren H2-Lkw an Unternehmen ist unter anderem abhängig von Tankstellen vor Ort.

Zehn Nutzfahrzeuge mit einem Verbrauch von jeweils 8.000 Kilogramm Wasserstoff jährlich sorgen an den Tankstellen für den entsprechenden Absatz an Treibstoff, der ihren Betrieb wirtschaftlich macht. Sie sind damit ein wichtiger Bestandteil für den Aufbau eines Wasserstoffnetzes, das dem Schweizer Straßenverkehr insgesamt dient. Denn an den Zapfsäulen können selbstredend auch Personenwagen betankt werden. Auch für Streck Transport in Deutschland bringt das Schweizer Konzept einen Gewinn: „Wir können voraussichtlich ab 2021 bestens Erfahrungen mit einem Brennstoffzellenantrieb für das gesamte Unternehmen sammeln“, unterstreicht Gerald Penner.

Informationen über den Förderverein H2 Mobilität Schweiz und dessen Mitglieder sind auf www.h2mobilitaet.ch zu finden.